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Filetto Nr. 4 – Abenteuer auf knapp 25 m²

Ein ganz besonderes Feriendomizil - geeignet für maximal 2 Personen, aber  einzigartig.
Kaum zu sehen hinter Büschen und Bäumen auf einer Anhöhe mit traumhaften Blick auf das gesamte Umland liegt unser Feriendomizil: Filetto Nr. 4

Ursprünglich wurde dieser Beitrag als Serie in meinem Blog unter TimeTraveler911.
blogspot.com
unter dem Label (Hashtag) #Toskana veröffentlicht. Die sechsteilige Serie plus ein Special könnt ihr dort nachlesen.

8 Jahre danach …

Filetto Nr. 4 war unser kleines Feriendomizil für eine Woche im September 2011. Dieses kleine Häuschen oder besser gesagt der Ein-Raum-Anbau an das Haupthaus der Familie Dolfi hat uns so gut gefallen, dass ich unsere damaligen Erfahrungen unbedingt auch in meinen neuen Reiseblog übernehmen möchte, allerdings aus heutiger Sicht.

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Ein erster Blick auf die einzelne Zypresse, welche wir schon Google StreetView kennen.
Links dahinter, kaume zu sehen unser kleines Feriendomizil

Anfahrt auf Google Maps aus 2011 (nachgeholfen mit eigenen Markierungen, denn obwohl man mit Google StreetView bis zum Haus kommt, ist der Ort in der Google Maps Suche nicht zu finden). Seitdem hat Google einiges verbessert, aber dieses Filetto ist auch heute noch nicht in der Google-Suche zu finden.

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Gut, dass wir uns die Anfahrt genauer auf GoogleMaps angeschaut haben.
So fiel uns die Orientierung leichter.

Abenteuer Anfahrt

Unser Ziel liegt etwa 6 km von Poppi auf einer Anhöhe, zusammen mit ein paar weiteren Häusern. Der Ausblick von da oben ist unbeschreiblich schön. In der Google-Suche gab es damals keinen Treffer und heute gibt es immer noch keinen, aber auf Google StreetView haben wir es schon 2011 gefunden und bis zum dem von uns gewählten Domizil virtuell fahren. So haben wir schon im Vorfeld gewusst, dass das letzte Stückchen Weg wirklich eng und einspurig bis zum Ferienhaus führte.

Leider haben wir uns nicht so genau an die von unserem Vermieter erhaltene Beschreibung gehalten sondern auf unser Navi gehört, welches uns an der Häusergruppe Strumi in die verkehrte Richtung leitete. Obwohl auch das Schild Filetto uns nach rechts schickte, folgten wir der netten Stimme, die immer wieder Filledó sagte – mit Betonung auf das O.

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Häusergruppe Strumi mit einem sogar vergrößerten Schild nach Filetto, das eindeutig nach rechts weist.

Die folgenden 2 ½ km waren nicht wie in der Beschreibung geschildert, eine leichte Steigung. Der Weg verlief recht eben, eher nach unten. Als wir dann endlich ein paar Leute treffen und nach dem Fragen wurden wir wieder zurück geschickt. Hätte ich mich an die Fahrt mit Google StreetView gehalten, hätten wir uns die paar Kilometer Umweg sparen können. Nach ein paar weiteren Kilometern, diesmal tatsächlich bergauf, die alleinstehende Zypresse am Scheitelpunkt einer Haarnadelkurve. 

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Links von der Zypresse liegt unser kleines Feriendomizil

Von unserem Hausherrn, Herrn Dolfi, wurden wir schon erwartet, aber was mich etwas verblüffte, waren wir doch im Herzen der Toskana irgendwo im Nirgendwo (könnte man es fast nennen) er sprach uns auf Französisch an. Damit hatte ich nicht gerechnet und mein eingerostetes, fast 40 Jahre lang nicht mehr gesprochenes Französisch, kam nur brockenweise und eher gestottert hervor. Anscheinend hat er mich gut verstanden und er wurde redselig und hat eine Frage nach der anderen gestellt. Die Antworten fielen mir in allen anderen mir bekannten Sprachen ein, nur nicht auf französisch. Dann kam auch noch mein Partner hinzu, der auch noch Fragen stellte und ich dann auf einmal  Dolmetscherin wider Willen wurde und das, nach fast 11 Stunden im Auto. Das war zuviel und ich war überglücklich als seine Frau endlich auftauchte, die einwandfrei englisch sprach. Das funktioniert bei mir auch im Schlaf …

Wir wollten wissen, was wir beachten sollten. Schließlich waren wir irgendwo im Nirgendwo oben am Berg, umgeben von nichts anderem als Wäldern. Unsere Vermieter wohnten zwar im Haus daneben und es gab noch ein weiteres bewohntes Haus, aber nur am Wochenende. Somit kann es vorkommen, dass wir tagsüber auch mal ganz alleine da oben auf der Anhöhe sind.

Da wir ziemlich abseits gelegen sind, sollten wir auch auf Wildtiere achten. Es gibt Wildschweine in der Gegend, aber die kommen normalerweise nicht zu nahe an die Häuser. Auch wird ihre Zahl durch Treibjagden konstant gehalten. Dann gibt es noch Füchse und sogar Wölfe. Letztere aber ganz bestimmt nicht in direkter Umgebung des Hauses. Wenn man Glück hat, sieht man Falken kreisen und ab und zu bekommt man auch Rehe zu Gesicht. Gut zu wissen.

Was das Internet  betrifft – es gibt W-LAN im Haus – offenes Netz, welches wir jederzeit benutzen können, aber durch die dicken Steinwände wird es wohl in unserem Bereich nicht funktionieren. Wir können aber die Bank vor dem Haus benutzen und von dort aus jederzeit ins Internet.

Wie kompliziert es noch damals noch war! Smartphones hatten wir zu dem Zeitpunkt noch nicht, die Roaming-Gebühren für Telefonate waren auch noch ziemlich hoch, also wollten wir uns mit dem Laptop via W-LAN mit unseren Kindern in Verbindung setzen und vielleicht auch das eine oder andere Foto heim senden.

Wie einfach wir es doch heute haben!

Unser kleines Feriendomizil

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Unsere bedeckte Terrasse und unser Vorgarten

Dann nahmen wir unseren Aufenthaltsort für die kommende Woche in  Augenschein.

Der erste Eindruck: Es ist wirklich putzig. Es scheint der richtige Platz zum Entspannen und die Dinge des Alltags einfach an sich abprallen zu lassen.

Einige in den Boden eingelassene quadratische Steine führen, den leichten Abstieg zu unserer bedachten Terrasse. Ein Frühstückstisch steht rechter Hand mit einem Stuhl, dann im anderen Bereich zwei bequeme Korbsessel und ein kleines Tischchen für romantische Abende zu zweit bei einem Gläschen toskanischem Wein.

Dann als wir die Tür öffneten: Es lässt sich nicht in Worten fassen, was man alles aus einer Fläche von etwa 20 – 25 (?) Quadratmetern machen kann. Auf mehreren Ebenen befinden sich Wohn- und Schlafraum, Küche und Badezimmer, wohlgemerkt alles, außer dem Bad befinden sich im selben Raum.

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Die Küche vom Schlafzimmer aus gesehen

Rechter Hand auf gleicher Höhe wie die Terrasse, unmittelbar hinter der Eingangstür,  befindet sich eine Küchenzeile, ausgerüstet mit allem was man so zum Kochen braucht. Abenteuerlich ist die Beleuchtung, eine Schreibtischlampe die irgendwie am Regal an der Wand befestigt ist. Immerhin reicht das Licht aus, damit man erkennen kann was man macht. Ausgerüstet ist die Küche mit Gasherd, Spüle, Kühlschrank, Kaffeemaschine, Toaster, jede Menge Geschirr, von dem ich bei manchen Sachen gar nicht weiß wofür die gut sein sollen. Gewürze, Essig, Öl und Zucker sind auch vorhanden, was eher ungewöhnlich ist.

Jetzt machen wir erstmal einen kleinen Linksschwenk. Betritt man die Wohnung, darf man auf keinen Fall vergessen, dass diese sich auf mehreren Ebenen befindet. Wenn ich die Tür nicht ganz öffne, befinde ich mich ungewollt gleich eine Ebene tiefer. Da beginnt nämlich der Wohnraum. Deshalb war Vorsicht geboten: Beim Betreten erst Tür ganz öffnen, danach erst eintreten, damit man die Stufe nach unten in den Wohnraum nicht übersieht.

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Wohnraum und Nachtlager.

Die Idee mit dem tiefer liegenden Wohnzimmer finde ich gut. Haben sie wohl von den Amis abgeguckt, denn bei denen liegt das Wohnzimmer auch meistens ein paar Stufen tiefer als die Küche oder das Esszimmer. So bleibt der Wohnraum immer etwas kühler. Schließlich steigt die warme Luft nach oben. …und dann entdecken wir plötzlich, dass unser Schlafzimmer eigentlich an ein paar Balken an der Decke hängt und sich wohl die ganze warme Luft  dort oben stauen wird.

Genauso abenteuerlich wie unser Schlafgemach aussieht ist auch die Treppe, die nach oben führt. Der Platz auf dem das Bett steht, ist nicht viel größer als das Bett selber. Man muss ganz genau aufpassen wie man seine Pantoffeln platziert, denn ist man zu flott, landen diese ganz schnell im darunter liegenden Wohnzimmer, was ich am ersten Abend auch gleich geschafft habe. Auch sollte man in der Nacht, falls man aufsteht, aus welchem Grund auch immer, unbedingt das Licht einschalten, sonst könnte man schneller unten sein, als einem lieb ist.

Unser Winzig-Fenster sogar mit Vorhang und ein Radio, wie wir es schon lange nicht mehr gesehen haben, lässt Nostalgie aufkommen.

Das Bad und die Toilette – eigentlich eine Nasszelle – ist sogar mit Salle de Bains beschildert. Bei SALLE (zu deutsch Saal, Halle, Raum) aber stelle ich mir etwas Größeres als etwa 1,5 m² für eine Dusche, Toilette und Waschbecken vor. Aber sogar ein kleines Regal mit 3 Ablageflächen findet hier Platz und wir noch dazu. Die Größe stört nicht, auch wenn man sich drinnen kaum umdrehen kann. Es ist einfach anders, aber positiv gesehen.

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– links der Blick ins Bad vom Schlafraum
– rechts der Blick auf die Dusche und das Regal aus dem Wohnraum

Der unterhalb des Schlafraumes befindliche Wohnraum hat einen Kleiderschrank mit drei Schubfächern (siehe Bild weiter oben) im unteren Bereich. Die Frontseiten des eigentlichen Kleiderschranks sind mit riesigen Klatschmohnblüten beklebt (dachte erst es wäre angemalt), wir haben sogar einen größeren Spiegel, eine ganz nette Vorrichtung für dreckige Wäsche, einen Rattan-Kleiderständer (sieht auch nicht schlecht aus), eine kleine Couch, einen gusseisernen Holzofen im Vintage-Stil und eine Essecke mit Tisch und zwei Stühlen – für den Fall, dass es draußen doch zu kalt sein sollte.

Bedenkt man, dass alle diese geschilderten „Räume“ eigentlich einen Raum bilden, ist es unvorstellbar, dass so viel auf so wenige Quadratmeter passt und man dennoch Platz zum Gehen, Stehen und Sitzen hat.

Auch heute – nach 8 Jahren – bin ich noch ganz hin und weg von diesem einzigartigen Feriendomizil.

Einen Heißwasserboiler gibt es auch, den wir in der Küche einschalten müssen und der sich fast 3 m über uns befindet. Das Fenster ist in etwa 4 m Höhe direkt im Dach eingelassen und kann nur mit einer langen Stange geöffnet bzw. geschlossen werden. Wir haben es erst gar nicht versucht, weil wir nicht wussten, ob wir es rechtzeitig wieder zu kriegen, sollte es mal regnen.

Ich denke mal die Bilder sprechen für sich, und man kann mich verstehen, wenn ich von architektonischer Meisterleistung spreche. Genauso jede Kleinigkeit die zur Ausstattung und Deko des Innenraums gehören.

Das ist spitze, würde Rosenthal mit einem Luftsprung dazu sagen.

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Mir gleich beim Betreten der Terrasse aufgefallen –
dieser kleine aber total süße Willkommensgruß!

Das ist nicht Jedermanns Sache und die einen oder anderen mögen die Nase rümpfen und eine Kehrtwende machen. Es gibt keinen Fernseher und zu der Zeit waren auch Smartphones eher selten. Zudem waren auch die Roaminggebühren sehr hoch und man hätte die im Ausland bestimmt nicht genutzt.

So blieb sehr viel Zeit zum Lesen – damals noch im Papierbuch und ich habe stundenlang meine Eindrücke niedergeschrieben (die allerdings auf dem Laptop).

Nach fast 11 Stunden im Auto, einigen ermüdenden Staus und einem wirklich netten Abend auf der Terrasse bei Kerzenlicht und einer Flasche Wein, sind wir dann ziemlich schnell, fest und tief eingeschlafen. Der Ruby Cabernet war wohl nicht ganz unschuldig daran. Er hat aber nach dem langen, anstrengenden Tag auf Straßen und Autobahnen verdammt gut geschmeckt.

Am nächsten Tag erwartete uns schon die nächste Überraschung …

Ein Tag voller Überraschungen

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